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Das Erbe des Wasserdrachen von Gerdi

“Das Erbe des Wasserdrachen”

von Jutta Draxler
rezensiert von Gerdi Gerhardt

Vorwort

Der Wasserdrache wird Vorgestellt
Natascha und Jutta – Oktober 2016

Wie hatte ich seinerzeit, im Oktober 2016, der Buchvorstellung des “Das Erbe des Erbe des Wasserdrachen” entgegengefiebert. Natascha hatte wieder zu einer exklusiven Autorenlesung eingeladen, diesmal mit Jutta Draxler, die ihren neuen (und ersten) Roman vorstellen wollte.

Sie werden es nicht Wissen (woher auch?), aber ich bin ein großer Freund und Bewunderer der asiatischen und indischen Kultur; inklusive, oder besser: im Speziellen bin ich dem köstlichen Essen zugewandt.

Ein schöner Abend

Es versprach also ein durchaus interessanter Abend im Café del Mar in Moraira zu werden, spielte der Roman doch zum Teil in der einstigen deutschen “Musterkolonie” Kiautschou, in den Städten Tsingtau und Fang Tze … ich war sehr gespannt. Nachdem ich ein WOK-Restaurant besuchte um mich einzustimmen, begann Natascha mit einer Einleitung über das Themengebiet, wie üblich vortrefflich recherchiert und vorgetragen. Dann begann die Lesung von Jutta Draxler.

Ich sollte nicht enttäuscht werden, die Vorstellung war überaus spannend und machte Lust darauf das Buch zu lesen. Leider hielten mich meine Arbeit und das verdammte Fernsehen von der Lektüre ab, bis mein TV-Gerät kürzlich (glücklicherweise? Karma?) verstarb …- das war die Gelegenheit, die ich ich beim Schopfe packte und gleich nach dem Wasserdrachen im Bücherregal griff.


Zur weiteren Information für Sie erst noch einmal der Link zur Orginaleinladung, nicht die Fotogalerie vergessend.


“Das Erbe des Wasserdrachen”

Das Erbe des Wasserdrachen - Jutta Draxler

Der Roman beginnt in der “Jetzt-Zeit”, am 22. Januar 2012, in einem Teesalon in der Nähe des Yu-Yang-Parks im heutigen Shanghai. Liang, der Eigentümer, bereitet gerade die Abreise zu seiner Tee Plantage vor, wartet auf die Ankunft seiner Frau…

“Es war ein kalter Wintertag in Shanghai und der ständige Dunst schien noch undurchdringlicher als in den letzten Tagen. Die schmalen Gassen der Altstadt, in denen die Garküchen noch weiteren Dunst erzeugten, wirkten fast unwirklich: Menschen und Häuser verschwanden wie hinter einem Vorhang, die Welt schien geschrumpft, auf einen winzigen Kosmos reduziert.”

Schon im ersten Kapitel des Buches kann man sich an dem Schreibstil von Jutta Draxler erfreuen, jeder Satz macht Neugierig auf den nächsten, der darauf folgende ebenso; es fällt einem schwer mit dem Lesen aufzuhören, will man sich doch des nächsten Satzes erfreuen. Und dann das nächste Kapitel, oder wenigstens noch eine Seite… Man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

Ab dem zweiten Kapitel spielt Ihre Geschichte erst einmal im heutigen Deutschland, der Hauptdarsteller Paul Hartung und sein Umfeld wird eingeführt, auch die Umstände, die ihn schließlich dazu bringen, den Spuren seines Großvaters nachzugehen, werden dargelegt. Er reist durch das Land, um die wenigen Verwandten, Freunde oder sonstige Zeitzeugen zu befragen, was es mit seinem Opa aufsich hatte; gräbt verschollen geglaubte Briefe und Dokumente aus, die jedoch nicht zur Aufklärung beitragen – das Gegenteil ist der Fall! Es stehen noch mehr Fragen als vorher im Raum.

Zwischendurch werden immer einmal Fragmente, zum Beispiel ein Dosier aus dem Jahre 1947, ein Bericht vom Historisch-biografischem-Projekt, ein Bericht aus dem Lager in Japan eingestreut. Bei obengenannten Briefen von 1915-1919 handelt es sich um Post aus dem Gefangenlager … es wird klar und klarer, das zur Aufklärung der Vergangenheit ihm die Reise nicht erspart bleibt – alle Spuren verlaufen ins Nirgendwo, nur der Anfang ist nachzuvollziehbar: China!

“Er öffnete das Register mit den Anfangsbuchstaben A-H für die ehemaligen deutschen Bewohner von Tsingtau oder, genauer betrachtet, die Listen derer, die in japanischer Gefangenschaft gewesen waren … Eine lange Liste tauchte auf, die Paul, leise das Alphabet murmelnd, durchstreifte. Ihm stockte der Atem. Harmer…, Harmisch…, Harot…, Hartig…, Hartung, Paul!
 Paul? Nicht Ernst?
Sonst gab es keinen weiteren Eintrag für Hartung.”

Es wird immer Merkwürdiger!

Paul trifft noch seine (Noch-) Frau in Paris, mehr Bekannte seines Großvater und bricht schlußendlich auf, gen China, um den gordischen Knoten zu lösen und endlich etwas Licht in das so verworrene Leben von Ernst Hartung zu bringen. In Shanghai trifft er seine in China studierende Tochter, die sich glücklicherweise mit den örtlichen Gepflogenheiten gut auskennt und ihm bei der schier hoffnungslosen Suche beiseite steht.

Shanghai – ca. 1911

Er besucht die Städte des Wirkens seines Großvaters, Tsingtau und Fang Tze, doch muss schnell seine Hoffnung fahren lassen.

Im modernen, aufstrebenden China ist jedoch kaum noch Platz für die Vergangenheit, für die kurze Zeit, als Kiauschou deutsches “Schutzgebiet” war; wie Enklaven aus einer anderen Epoche, wie in einer Zeitkapsel aufbewahrt, wirken die wenig verbliebenen Gebäude, klein und im Schatten der gigantischen Neubauten. Es scheint Aussichtslos zu sein.

Immer wieder schafft es die Autorin den Leser in ihren Bann zu ziehen, und sei es nur mit der Beschreibung der Teezeremonie, eine in China wichtige Tradion, etwas wie ein Kulturgut, dass nach dem Verlust der “Allgegenwart” der kommunistischen Partei und der Rückbesinnung auf die chinesische Geschichte immer mehr Bedeutung bekommt.

Die vielen Eigenheiten und Gegensätze im Reich der Mitte brachten Paul immer wieder zum Nachdenken. In seinem bisherigen Leben gab es wenig Raum für solche Überlegungen. Die Kontraste gaben ihm einen anderen Blickwinkel, weil er solche Extreme nie hautnah erlebt hatte. Die Kluft zwischen Armen und Reichen, Glitzerwelt und Elend; Verschwendung und Chancenlosigkeit war vremutlich schwer zu überbrücken.

Ich will hier nicht mehr verraten, um Ihnen den Lesegenuss nicht zu verderben, eines steht jedenfalls fest: Für mich hätte der Roman doppelt so lang sein dürfen, viel zu schnell war ich am  Ende angelangt.

Für meinen Teil hätte ich noch gerne mehr über das Tsingtau von 1911 gelesen, eine faszinierende Zeit vor dem 1. Weltkrieg, voller Optimismus und Tatendrang. Nun ja, wie wir alle wissen, wurde das ja schön durch die schwachsinnigen eurpäischen Adligen in den Sand gesetzt. Jedenfalls hat mich dieses Thema so inspiriert, das ich im Einverständnis und ausdrücklicher Genehmigung von der Autorin nun anfing, selber den  (meiner Meinung) fehlenden Teil des Wasserdrachen zu schreiben, der in jener Epoche spielt.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Ihr Gerdi



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