Groenendijk, Clementina & Loek

Loek Groenendijk sagt:

Loek Groenendijk & Clementina GroenendijkFotografieren bedeutet ursprünglich „schreiben mit Licht“. Die Herausforderung besteht dabei in der Aussagekraft. Ein Fotograf muss wirklich „sehen“ können, also nicht nur wahrnehmen, sondern erkennen. Er muss ergründen können, was sein Auge sieht, um den aus dem Anblick gewonnenen Einblick zu übermitteln. Das aber will gelernt sein – nicht umsonst ist Fotografie im ersten Ausbildungsjahr der Filmakademie Pflichtfach. Neben dem technischen Rüstzeug (Fokus, Zusammenhang zwischen Verschlussgeschwindigkeit, Blende und Filmempfindlichkeit, Variablen für die richtige Belichtung) geht es dabei vor allem um das Kadrieren als Vorbereitung auf die Arbeit als Kameramann. Es schärft den Blick und hilft – bei entsprechender Veranlagung – beim Sehen-Lernen.

Meine wichtigsten Themengebiete sind Architektur und Kunst. Architektur wohl deswegen, weil sie meine erste Studienwahl war, der ich mich umständehalber schließlich doch nicht zuwenden konnte. Und wohl auch wegen meines unstillbaren Reisebedürfnisses.

Was die Kunst anbetrifft, so geht es um zwei völlig verschiedene Aspekte. Da ist zum einen die dokumentarische Fotografie-Serie „Künstler am Werk“, deren Gegenstand nicht so sehr das entstehende Kunstwerk als solches ist, sondern vielmehr die Interaktion zwischen dem Künstler und seinem Material.

Bis zu einem gewissen Grade geht es dabei zwangsläufig um die Festlegung handwerklicher Abläufe, viel interessanter aber sind die Momente, in denen die „Seele“ des Künstlers sichtbar wird. Es ist ein äußerst delikates Geschenk, einen Künstler in einem Schöpfungsprozess fotografieren zu dürfen. Das setzt unbedingtes gegenseitiges Vertrauen voraus – zumal Vertrauen des Künstlers zum Fotografen. Die Aufnahmen für eine zweite Folge dieser Serie mit Teo San José, einem bildenden Künstler und Dichter/Autor aus Dénia sind beendet (weitere werden folgen.

Er hat diesen Prozess äußerst feinsinnig in einem prachtvollen kurzen Essay beschrieben und seinem Werk, an dem er damals arbeitete, den Titel „El ojo indiscreto“ („Das indiskrete Auge“) gegeben. „Indiskret“ bezieht sich einerseits auf ihn selbst, den Künstler, der das Rohmaterial betrachtet und behutsam bloßlegt, um die Seele zu entblättern. Andererseits bezieht es sich natürlich auch auf meine Anwesenheit als Dritter, als Voyeur bei dem intimen Zusammensein des Künstlers mit seinem Material.

Der zweite Aspekt ist der fotografische Ausdruck der Wirkung, die Kunstwerke – vor allem Skulpturen, aber auch Gemälde – auf mich haben: ein äußerst persönlicher Ausdruck dessen, was das Objekt in mir auslöst. Dabei arbeite ich mit Aktmodellen, sowohl Männern als auch Frauen. Nicht jedes Modell ist dafür geeignet, denn es gehört Einfühlungsvermögen in Kunst und in die Emotionen, die das jeweilige Werk wachruft, dazu. Diese Fähigkeit ist zumal bei ausübenden Künstlern, wie Balletttänzern, stark ausgeprägt.

Die Standardfrage lautet heutzutage oft: „Wie viel wird bei dir photogeshoppt?“ Eine Frage, die vor allem auf die nicht immer realistischen Bilder der Beautyfotografie zurückgeht. Photoshopping und die dazugehörigen Programme sind im Grunde kaum etwas anderes als die digitale Variante der Belichtungs- und Entwicklungstechniken, die früher in der Dunkelkammer angewandt wurden. Daneben, das muss ich zugeben, gibt es eine umfangreiche Skala von Trick- und Montagemöglichkeiten, von denen ich selbst nicht oder nur kaum Gebrauch mache.

Fotos müssen ihre Kraft und Spannung aus sich selbst heraus haben. Ein Foto, ein Gemälde, ein Ballett oder welches Werk der bildenden Kunst auch immer skizziert das Bild, das der Künstler zum Ausdruck zu bringen versucht. Das Werk spricht danach für sich selbst und wenn es schließlich einen Betrachter anrührt, dann ist dieser Versuch gelungen.

Fotos macht man in erster Instanz für sich selbst. Natürlich will man seine Arbeiten auch einem größeren Publikum zeigen, darum gibt es immer wieder verschiedene Ausstellungen und Wettbewerbe.

Lebenslauf:

Loek Groenendijk

Loek GroenendijkGeboren: 31. Mai 1948 in Den Haag (Niederlande)
Ausbildung und Werdegang: Nach dem Abitur vier Jahre Reserveoffizier der Luftwaffe, wo er mit der Wirtschaftsprüferausbildung beginnt. Danach meldet er sich bei der Filmakademie in Amsterdam an, wo man ihn erstaunt nach seinen Motiven fragt. Er wird dennoch angenommen, absolviert das Studium cum laude und arbeitet acht Jahre als Produktionsleiter an internationalen Dokumentarfilmen für Film und Fernsehen.

Bei seiner Arbeit entdeckt er, dass auch das Management ihn anspricht, so dass er zusätzliche Ausbildungen in Betriebswirtschaft absolviert. Die Kombination von Kreativität und Betriebswissenschaft macht ihn reif für ein Abenteuer in den Neuen Medien jener Zeit, wie dem Pay-TV, das damals noch in den Kinderschuhen steckt. Während einer turbulenten Periode voller Joint Ventures, Fusionen und Übernahmen stellt sich sein Geschick heraus, Ruhe zu stiften, wo Unruhe und Verwirrung herrscht. Für seine Kamera hat er keine Zeit mehr. Über 25 Jahre arbeitet er für verschiedene große Management- und Organisationsbüros als Interim Manager in vielerlei Unternehmen, die bei seiner Ankunft vielfach am Rande des Abgrunds balancieren.

Im Jahre 2001 begegnet er seiner jetzigen Frau Clementina, die ihn, nachdem er 2007 seine Interim-Arbeit aufgegeben hat, anregt, seine alte Liebe und große Passion, die Fotografie, wieder aufzugreifen.

Hobbys: Neben Fotografie: Lesen, klassische Musik und Jazz, Kunst (insbesondere die Periode ab dem Impressionismus bis ca. 1950, aber auch zeitgenössische Kunst), Oper und modernes Ballett. Die Liebe zur Oper hat mir Clementina beigebracht. Meine Opernkenntnisse reichten nicht weiter, als dass die Hauptfigur sich ungefähr zwei Stunden lang zum Sterben anschickt und von dieser Zeit ausgiebig Gebrauch macht, das kundzutun. Kochen und Reisen gehören für mich zum täglichen Lebensbedarf. Clementina, die zum Glück dieselben Hobbys hat, widmet sich außerdem der Malerei.

Die Werke von Clementina und Loek sind auf ihrer Website www.loekg.com zu sehen.   Original-Einladung 07. März 2011 als PDF öffnen.

Alle Fotos unserer Veranstaltungen sehen Sie bei der Wochenpost www.costa -info.de  unter Fotogalerie, bitte anklicken.

Sehen Sie hier die neueste Arbeit (2014) des Künstlers, ein Buch das Künstler am Werk zeigt: 

„Das indiskrete Auge“:   http://www.loekg.com/pages/overzicht.php?catId=169