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Gedanken zu den Gedichten des Autors Paul Schliemann

Gedanken zu den Gedichten des Autors Paul Schliemann

Wenn ich entspannt hinter meinem Steuer sitze und die Welt anlächele, dann liegt es womöglich an der Hör-CD des Poeten Paul Schliemann, die ich so gerne beim Autofahren höre. Dank seiner wunderbaren Verse und seiner wohlklingenden Stimme überkommt mich dann Zufriedenheit und Freude. Langsam macht dabei alles nicht nur einen Sinn, sondern sogar einen guten Sinn. Und dann ist plötzlich unsere Welt wieder in Ordnung, genauso wie sie sich mir gerade zeigt: die Landschaft erscheint mir besonders attraktiv, die Menschen viel netter, das Wetter optimal. Währenddessen rieseln aus den Lautsprechern meines Autos – eigentlich sollte man sie nicht Laut- sondern „Leisesprecher” nennen –  sanfte Worte und liebliche Melodien.

Meine Gedanken gehen dann auf eine Reise, eine Reise, die ich nur ungern unterbrechen möchte. Gesiebt durch die Lyrik, verdampft auch meine Hektik, und der Weg wird zum Ziel. Ich glaube, allen Menschen sollte man ab und zu eine Prise Poesie aus Paul Schliemann´s Werken verabreichen, denn diese können Wunder wirken.

Doch zurück zu seinen Gedichten, die man natürlich auch aus seinen zwei Büchern heraus- lesen kann (Hinaus mit den Schiffen möchte ich ziehen und Ach, hätte ich doch auch noch Flügel). Es sind, wie der Autor selbst sagt, in Gedichten gepackte Geschichten. Sie beflügeln die Phantasie und zeigen Dinge, die wir in unserem Alltag viel zu oft übersehen, Facetten des Lebens, die uns zum Staunen, Schmunzeln oder Nachdenken animieren.

Wie wunderschön poetisch klingen die Verse, die er einem Geschehen am Himmel widmet, dem wir oft gar keine Aufmerksamkeit mehr schenken, den Kondensstreifen!

Kondensstreifen

Durchschnittenes Fernweh

zur blauen Lagune

 

verblassender Silberpfeil

vom Airport der Träume

 

Zebrastreifen

zur anderen Seite des Horizontes

weiße Kreuzungen

am Firmament der Phantasie

 

Sehnsucht

bettet sich in Federwolken

(aus dem Band Ach, hätte ich doch auch noch Flügel, erschienen im Jahre 2003)

 

Oder, ein ähnliches Beispiel zeigt uns das Wunder eines Lächelns, das uns tief berühren kann und bis auf dem Grund unseres Herzens gelangt.

Der Grundstein

 

Das Bad in der Menge.

Wohliger Zeitvertreib.

Knisternde Enge.

Leib an Leib.

Stimmengewirr.

Wortfetzen

erreichen das Ohr.

Sie hetzen

Augenblicke vor

sich her.

 

Und plötzlich

Im Spannungsmeer

  • ein Lächeln.

Sanfte Augen.

Zarter Mund.

Fällt wie ein Stein

auf deinen Grund.

Und der Grundstein reibt.

Und das Lächeln bleibt.

(aus dem Band Ach, hätte ich doch auch noch Flügel, erschienen im Jahre 2003)

 

Doch nicht alles verläuft so friedlich in Paul Schliemann´s Gedicht-Geschichten. Auch Böses, wie zuweilen der Mammon oder schreckliche Gewalttaten, die die Welt nicht braucht, lässt er nicht unerwähnt. Da gibt es sogar im Besteckkasten Kriege, die nicht anders als jeder „normale” Krieg ausgehen (wie wahr: auch die besten Plätze sind austauschbar!). Doch es gelingt ihm immer wieder, den Schimmer der Hoffnung auf Schönes und auf Gutes nicht erlöschen zu lassen.

Der Poet sät Wünsche, erntet Worte, füttert das Auge, ja, er verändert die Welt, aber er tut es auf eine feinfühlige, geschmeidige Art, die uns allen gut tut und Wunden heilen lässt! Damit verteidigt er Werte, die manch einer, geblendet durch die Selbstverständlichkeit oder Gleichgültigkeit eines „es war doch schon immer so”, übersieht. Spätestens wenn man ein Gemälde sieht, das blonde Engel darstellt, oder einen Kuss unter Gleichgeschlechtlichen beobachtet, denkt man plötzlich an seine Gedichte und fragt sich ernsthaft, warum ist denn kein schwarzer Engel dabei?, oder, kommt es bei der Liebe noch darauf an, ob er seine Frau küsst, oder seinen Mann?

Den Reim daraus kann und muss sich jeder für sich selbst machen, denn der Autor zwingt niemandem seine Sicht der Dinge auf, aber er schließt davor auch nicht die Augen. Er deutet lediglich darauf hin.

Mit offenen Augen wandert der Poet durch die Welt und findet sogar dort, wo man auf den ersten Blick Verbitterung erwartet, immer noch überraschende Wendungen. So rührt zum Beispiel die Antwort Gottes auf den Vorwurf eines alten, gebrechlichen Mannes, der traurig den Gott, unseren Herrn fragt:

Früher war neben meiner Spur

auch Deine Spur

und ich wusste,

wir sind zu zweit.

Jetzt, wo ich alt bin,

krank und schwach,

da lässt Du mich allein?

Ich sehe nur noch meine Spur.

Ach, sag mir,

warum muss denn das so sein?”

 

Die überraschend schöne Antwort darauf lautet:

Schon lange ich mich um dich bemühte:

hör nur zu mein lieber Mann,

deine Spur ist nicht die deine

du solltest fortan gar nicht klagen.

diese eine Spur ist mein

und seither habe ich dich getragen.”

(Spurensuche, aus dem Band Hinaus mit den Schiffen möchte ich ziehn, erschienen im Jahre 2000)

 

Dem Poeten geht es oft ähnlich wie dem Schöpfer selbst, oder seinen Engeln, die zuweilen unsere Wünsche verfehlen, denn sie alle verkaufen nicht die reife Frucht, sondern nur den Samen (aus Wunschsaat, Band Hinaus mit den Schiffen möchte ich ziehn).

Die meisten Verse reimen sich, als ob dies die selbst-verständlichste und leichteste Sache der Welt sei! Doch nur wer selbst einmal zu dichten versucht hat weiß, wie viel Arbeit hinter dieser angenehmen Leichtigkeit steckt. Und natürlich bedarf es sehr vielen Talentes, Geduld und Hingabe, Gaben mit denen Paul Schliemann reichlich beschenkt wurde.

So hat man beim Lesen seiner Gedichte immer das Gefühl, die Worte seien ganz sorgfältig ausgewählt, als ob jedes einzelne davon auf einer feinen Waage austariert wäre. Er gibt uns nicht zu viel und nicht zu wenig davon. Nirgendwo stolpert man über komplizierte Wortkonstruktionen, nirgends befindet man sich abseits der schönen deutschen Sprache, nie hat man das Gefühl, ein Ton sei nicht genau an der optimalen Stelle angebracht.

Diese hervorragende Wortwahl erinnert an die gute alte Tradition des Wilhelm Busch, Joachim Ringeltanz oder Heinz Erhardt, doch Paul Schliemann´s Gedichte sind modern und bedürfen eigentlich keines Vergleiches. Sie stehen für sich da, vollkommen autark und in einem gut kristallisierten Stil, der dem Autor und nur ihm, eigen ist und ihn perfekt definiert.

Für besonders gut gelungen halte ich die Schlussverse, die fast immer einen verspielten oder humorvollen Wink beinhalten, der in unserem Herzen nachhallt und unsere Gedanken noch lange fesselt. Ein bisschen ist es so, als ob da noch gar nicht das Ende stünde…, damit die Poesie auch in das Leben übergehen darf. Man könnte sagen, Paul Schliemann´s Gedichte inspirieren nicht nur in den Alltag, sie fließen auch zurück in unser aller Leben und bereichern es.

Jedes einzelne Gedicht des Poeten Günter Schliemann ist ein kleines Juwel – denn keines ist so lang, dass man auch nur im entferntesten Gedanken glauben könnte, es sei nicht in einem Atemzug geschaffen. Genauso lesen sie sich: lebendig, bewegend, schnell. Keines gleicht dem anderen; mal reimen sich die Verse, mal eben nicht, weil genau der Fluss der Worte es so verlangt. Damit liegt die Betonung an einer bestimmten Stelle, da wo der Rhythmus bewusst unterbrochen wird. Hier ein wunderbares Beispiel einiger reimlos gestalteten Verse:

Sturm,
warum bläst du
uns immer wieder
in die Zwietracht?

Damit wir das Vergeben
nicht verlernen?”

(Gewitter reinigen die Luft oder wem möchte ich heute vergeben, aus dem Band Ach, hätte ich doch auch noch Flügel)

Manchmal sind es kurze Prosastücke, die meistens an alte Zeiten, oder an eine glückliche Kindheit, oder an einen sonnigen Urlaub erinnern. Wer könnte der Verlockung einer solchen Zeitreise widerstehen? Hier noch ein sehr gelungenes Wortspiel:

zeitlebens sonne

s o n n e n f i l t e r

t ü t e n k a f f e e

w a s s e r s p i e l

p l a t z r e g e n

d a c h z i e g e l

s t e i n z e i t

l e b e n s s o n n e

Es ist nicht zu übersehen: die Lyrik des Hannoveraners, der gern und oft in Spanien verweilt, wirkt! Aus jeder noch so unauffälligen Alltagsgeschichte macht er ein wahres Fest und begeistert uns nicht nur durch die unerwarteten Gedankengänge, die er in prägnanten Worten zu fassen vermag, sondern auch durch die wohlklingende Melodie der Verse, die er dichtet. Seine Gedanken (ver)dichten auch unsere Phantasie.

Nicht zu vergessen sind auch die delikaten Zeichnungen, die zum Beispiel den Band Ach, hätte ich doch auch noch Flügel illustrieren. Jede einzelne davon ist eine gelungene Verkörperung einer Stimmung, die sich, dank der feinen Federspitzen der Künstlerin Claudia Haldan, auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit bewegt.

Als Schlusswort greife ich auf die letzte Strophe meines Lieblingsgedichtes zurück, der erwünschte Körperteil…

Selbst meine Füße – unermüd´t

laufen über sieben Hügel.

Dennoch – ein Wunsch in mir erblüht:

Ach, hätte ich doch auch noch Flügel!”

 

…und wage zu behaupten, dass sich hier der Autor ein klein wenig irrt.

Er besitzt nämlich bereits die schönsten Flügel, die man sich je wünschen kann: die Flügel der wunderschönen Poesie, die er uns schenkt und mit der er uns begeistert.

Danke Paul Schliemann!

 

Gabriela Sonnenberg

Spanien, im Juni 2018

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Autoren rezensieren Autoren

Autoren rezensieren Autoren

Autoren rezensierenGeehrte Besucherinnen und Besucher,
ich habe mir, sozusagen als besonderes Schmankerl, etwas besonderes für Sie ausgedacht, nämlich eine neue Rubrik: Die neue Rubrik heißt „Autoren rezensieren Autoren“ und genau darum geht es auch.

Lesen Sie, wie unterschiedlich die Herangehensweisen an das Lesen eines Buches sind, welches die Ansichten und aus welchem Blickwinkel ein Werk betrachtet wird – und was schlußendlich in die Waagschale geworfen wird und was das Zünglein in die eine oder andere Richtung beeinflusst.

Karl Marx sagt über Kritik:

Es ist die Kritik, die die einzelne Existenz am Wesen, die besondere Wirklichkeit an der Idee mißt.

Genug der Vorrede, lesen Sie doch einfach die Rezensionen und seien Sie gespannt…

Jutta Draxler schreibt über:

 

 

 

Ute Lehner schreibt über:

 

 


Luitgard Matuschka
schreibt über:

 

 

 

Paul Schliemann schreibt über:

  •  

 

 

 

Gabriela Sonnenberg schreibt über:

 

 

 

Das Gedicht „warum – warum?“ von Paul Schlieman.

Liebe Freunde!

Es gibt ein wunderbares Hippie-Gedicht vom Autor und Dichter  Paul Schliemann, das er 1967 (!) geschrieben hat, lesen Sie selbst, und von der Schweizer Kusnstmalerin Romy Köster  ein Hippie-Bild (aus ihrer Vintage-Retro Serie), das dazu passt:

 

Warum  –  Warum ?

Oh, ihr Gammler, ihr Hippies,

ich kann euch verstehen.

Ihr wollt dem Krampf der Welt widerstehen.

Ihr seid glücklich mit Blumen im Haar.

Ihr lebt ein Leben – wunderbar.

Mit Liebe wollt ihr die Welt bezwingen.

Doch leider, es wird euch nie gelingen.

Der Traum, den ihr träumt, zerbricht einmal.

Und dann steht ihr wieder nackt in der Qual.

Das Leben ruft euch doch wieder zurück.

Vorbei ist der Traum vom großen Glück.

Noch frieren eure Kinder und schreien nach Brot.

Und eines Tages, dann packt euch die Not.

Man wird doch älter, was kommt dann ?

Ach, ihr Glücklichen, ihr denkt nicht daran.

 

Jung bin ich, so wie ihr.

Und ich wollt, ich könnte leben so wie ihr.

Doch leider passt es nicht zu mir.

Ich denke anders. Warum ?

Oh Gott, bin ich so dumm ?

Doch nein, auch ich hab meine Träume,

in denen ich nichts versäume.

Ich erlebe ohne LSD

den roten Himmel. Und sehe

Blumen blühen im Schnee.

Ich seh Sterne tanzen auf nackten Leibern.

Sehe Knaben schlafen mit alten Weibern.

Die Welt sehe ich offen, wie ein Buch.

Und aus ihr brüllt ein heißer Fluch.

Er lässt mich richtig erzittern.

Und langsam wieder die Wirklichkeit wittern.

Und dann steht man wieder da

und weiß nicht, was vorne und hinten war.

Dann packt einen das Leben wieder

mit seinen Alltagssorgen.

 

Und man ist so blöd und denkt an Morgen.

Warum kann man sich nicht den Träumen hingeben ?

Warum muß man unbedingt sein Leben leben ?

 

Romy Köster und Paul Schliemann

Achtung! Kopie verboten, da alle Rechte bei den beiden Künstlern!

Lesen Sie gerne die Biografien von
Paul Schliemann und
Romy Köster auf meiner Seite oder
Besuchen Sie die Webseite von Romy Köster *Klick*